Sonntag, 18. Februar 2018

Videokonferenz im Chat

Da in ihrem Channel viel los ist, zudem viel Streit und andere Probleme, wurde heute Abend mit allen MCMs, also den Channelleitern, eine Versammlung einberufen. Zunächst spinnt die Technik wieder, aber Tamsin ist begeistert, als es dann plötzlich doch funktioniert und sie sich mit den anderen 8 Leuten über Webcam unterhalten konnte. Dies fiel ihr gar nicht mal so schwer. „Als ich gehört habe, dass die es nicht mögen, wenn man über das Aussehen lästert und dies ebenfalls ein Punkt des Gespräches war, bekam ich richtig Mut!“
Vor 10 Jahren hatte Tamsin ihren ersten Channel in diesem Chat. Seitdem war sie beinahe ununterbrochen an der Spitze; hatte die besten Namen und einen vollen Raum. Seit einigen Tagen geht sie wieder mit Freude online. „Es ist ernsthaft eine Wohltat, mit Leuten zu kommunizieren, die keinen Geschlechtsverkehr oder sich über Genitalien unterhalten wollen!“
Als Channelbesitzerin hat Tamsin das Sagen. „Manchmal fühle ich mich wie ein richtiger Teamchef, auch wenn alles nur Virtuell vor der Kamera abläuft.“ Dies ist zudem der einzige Weg, wie sie Kontakte findet. Die Leute kommen auf sie zu, weil sie müssen; weil Tamsin der Channel gehört.

Zuvor hatte sie über Cam einige Stunden mit Don geplaudert. Nun, wo er aufhört über Brüste und Geschlechtsverkehr zu reden – Tamsin hat es ihm erklärt! - wirkt er beinahe richtig sympathisch. Ihre einzige Sorge ist, dass er, sobald sie ihm real begegnet, ebenfalls so aufdringlich ist wie im Chat. „Dass er mich beim ersten Treffen abknutscht…“  Immerhin möchte er, dass sie bei ihm schläft.

Tamsin ist unentschlossen. Dave hat ihr gesagt, dass Aussehen ihm egal ist. Daran zweifelt sie. Nunja, er kennt ihr Foto. Doch er weiß nicht, wie dick sie ist. Nicht, dass sie dick wäre. Naja, nicht sehr. „Würde das eine Rolle spielen!?“
Dave mag Zelten. Er freut sich, dass Tamsin mit ihm nach Wacken fahren würde.

„Vielleicht sollte ich mich zuerst mit Dave treffen.“ Tamsin glaubt, dass er ihr, weil er ihren Körper oder ihre Stimme nicht attraktiv finden könnte, einen Korb erteilt. „Mh. Das wars das eben mit Zelten in Wacken.“
Don steht nicht auf sowas, er ist eben normal. Sie könnte sich mit ihm treffen. Es einfach zulassen. Mal sehen, was sich entwickelt.
Wäre das seltsam? Unmoralisch?  

Samstag, 17. Februar 2018

Zirkus in Hamburg



Weil ihr Dad Karten gewonnen hat, war Tamsin heute mit ihrer Mom in Hamburg in einer Afrika Zirkus Show! Mit dem Zug fuhren sie dorthin. „Dort angekommen, waren wir zunächst ein wenig orientierungslos, haben das Theater nach einem kleinen Fußmarsch dann aber doch noch gefunden.“
Die Artistenshow mit Musik und der großen Kinoleinwand im Hintergrund war toll! „Ich dachte zuvor, es wäre ein englisches Musical.“, gesteht Tamsin erleichtert und begeistert von der Afrikanischen Musik.
Danach fuhren sie mit dem Taxi zurück zum Bahnhof. „Ich musste dringend mal auf Klo.“ Also folgt Tamsin den Schildern in das Bahnhofsklo, nur, um kurz vor dem Ziel wütend wieder kehrtzumachen. „Im Eingangsbereich war eine Schranke und ein Kassenautomat!“, bemerkt sie entrüstet. Freiwillig ein paar Cent für die Putzfrau dalassen, das geht ja noch. Aber Geld in einen Automaten stecken, um einem natürlichen Bedürfnis nachgehen zu dürfen!? „Das ist, als würde man Geld fürs Atmen bezahlen! Eine Frechheit!“
Tamsin entleert sich schließlich im Zug; einer nach Urin stinkenden Kabine.

 Daheim angekommen, fällt Tamsin sofort ins Bett. Jedoch kann sie nicht einschlafen, ohne einen Blick auf ihr Handy zu werfen. Sie war ein wenig genervt von Don, der ständig mit ihr Skypen will, obwohl sie doch gesagt hat, dass sie heute keine Zeit hat. Dave dagegen schreibt nette Sachen, über die sie sich freut.

Freitag, 16. Februar 2018

Videochat



Tamsin ist hin und her gerissen. Vor 2 Jahren hat sie 2 Männer im Internet kennengelernt. Dave, der attraktiv und nett ist und ihre Interessen teilt. Und den anderen, Don, der ein wenig aufdringlich ist und viel Intimes fragt, weswegen Tamsin den Kontakt damals beendet hatte. Mit keinem hatte sie sich je real getroffen, da sie noch bei den Eltern gewohnt hatte. Und die will sie da nicht hineinziehen.
Nun wäre sie jedoch bereit dafür. Doch wie soll sie vorgehen?
Dave mag keinen Videochat und Tamsin zweifelt an sich selbst, dass sie ihm real immer noch so gut gefallen würde. Bei ihm ist sie aufgeregt und nervös, da sie ihn wirklich mag.
Don dagegen ist sehr vernarrt in sie. Er mag ihren Charakter, egal, wie sie aussieht, wie ihre Stimme ist oder wie ihre Art ist, wie sich im Abendlichen Videochat schnell herausgestellt hat. Er würde mit ihr eine Familie gründen. Er lädt ein, bei ihm zu schlafen, auf einer Schlafcouch. Ihm interessiert, ob sie unter dem Schlafanzug noch etwas drunter trägt, würde aber auch akzeptieren, wenn Tamsin ihn nicht schon nach 2 Wochen an sich ranlässt. Er fragt jetzt schon, ob er Gummis kaufen soll, für den Fall, dass Tamsin beim ersten Treffen bei ihm schlafen will und dabei etwas passiert.
Tamsin weiß, dass er ein Mann wäre, der sein Leben mit ihr verbringen und sie von der Einsamkeit erlösen würde. Seine geistige Behinderung macht ihr nicht viel aus. Was sie viel mehr stört, ist, dass er vom Mensch her das komplette Gegenteil von ihr ist. Er mag pfirsichfarbene Wände. Abstrakte Kunst. Porzellanhasen und hellbraune Möbel. Er würde Kompromisse eingehen, indem er 2 Wände in seiner Farbe, und die übrigen 2 nach Tamsins Wunsch gestallten würde. Ein Raum in Schwarz und pfirsichfarben. Ikeamöbel gemischt mit Tamsins Barocktischchen. Totenköpfe aneinandergereiht neben Puppen und buntem Kitsch.  Bei dem Gedanken wird ihr übel.

Dave hat dagegen noch nie ein einziges Wort über verruchte Intimitäten verloren. Er scheint anständig. Er mag Tamsins Stil, ihre Deko. Die schwarzen Wände auf dem Foto aus ihrem alten Zimmer. Mit ihm könnte sie Horrorfilme schauen. Viele. Sie müsste keinen Kompromiss eingehen und wie mit Don Liebesfilme im TV mit Werbeunterbrechung schauen. Oder was er sonst so mag. Mit Streaming und coolen Serien kennt er sich nicht aus. Tamsin wundert sich, dass Dave in den zwei Jahren noch keine andere Liebhaberin gefunden hat.