Dienstag, 21. November 2017

Harte Zeiten



Tamsin ist müde. „Das frühe Aufstehen nervt.“ Hätte sie ein Auto, könnte sie 2 Stunden länger schlafen. Naja fast. Draußen ist es kalt. Und dunkel. Ihr Zahnleiden ist wiedergekehrt. Zwar ist die Stelle nicht mehr scharf, jedoch rau, was ebenso an der Zunge scheuert. „Was soll ich nur tun!?!?“

Gerade war es 6 Uhr. „Würde mich am liebsten wieder hinlegen und schlafen, anstatt hinaus in die Kälte zu treten.“

Obwohl der Schulbus beim Einsteigen noch recht leer ist, füllt er sich während der Fahrt so sehr, dass Tamsin oft Angst hat, es bei Ankunft nicht nach draußen zu schaffen. „Einmal wollte ich mich zur Tür drängeln und bin an dem Bauch eines Dicken Mannes zurückgeprallt, der sich mir wie aus dem Nichts in den Weg geschoben hat.“ Die Leute stehen auf dem Gang und verstopfen die Ausgänge. Man fühlt sich wie in einem Tiertransporter, nur, dass man nicht von den anderen gebissen wird. „Naja, schlimmer ist es, wenn man zu so einem vollen Bus zusteigt und die ganze Fahrt lang stehen müsste. Umkippen könnte man nicht, man ist ja von allen Seiten von sich an die Haltestangen klammernden Leibern gepolstert.“

Freitag, 17. November 2017

Die Ängste und der Zahnarzt

Tamsin ärgert sich darüber, dass viele moderne Horrorfilme alle gleich sind: Eine Gruppe Leute entdeckt etwas oder landete irgendwo, ein Monster taucht auf, oder einer von ihnen verwandelt sich in eins, das alle umbringt und nur einer überlebt. Es ist immer dieselbe Story.

Aufgrund ihrer Termine hat Tamsin heute und gestern frei bekommen. Heute muss sie zum Zahnarzt. „Ich bin richtig nervös.“ Nicht wegen der Erklärung, sondern weil es sein kann, dass der Arzt ihr nicht helfen kann.
Tamsin ist nervös, weil sie alleine hingehen muss. Ihre Mom hat keine Zeit und mit ihrer Betreuerin mag sie nicht, weil es das auch nicht besser macht, wenn der Arzt nichts findet.

Aus Langeweile geht Tamsin wieder in den Chat. Die seltsamsten Menschen finden Freunde. Einen Partner. Menschen, denen man solches Glück gar nicht ansieht, die komisch, ignorant, zickig oder unsympathisch sind, haben dennoch Freunde. Tamsin schaut sich in Singlebörsen um. „Verdammt, warum werde ich immer nur von Kerlen angeschrieben, die „lockeren Spaß für die Nacht“ suchen!?!?“, ärgert sie sich. Ihre letzte Chatbekanntschaft war genau 1 Jahr her. Ein Typ aus ihrer Nähe – was selten vorkommt – hat eine Beziehung gesucht. Tamsin hatte den Kontakt beendet, als sich die Gespräche irgendwann nur noch um unwichtige Verhütung und es drauf ankommen lassen gedreht haben.

Zurück zum Zahnarzt…
Als gesagt wurde, eine andere Füllung die nicht aus Kunstoff ist wäre quatsch, spürte Tamsin kalte Angst in sich aufsteigen.
Doch dann wurde auf der alten Füllung einfach eine neue draufgepackt, die höher ist und den Zahn wieder rundmacht. Tamisn spürt keine Schmerzen mehr an der Zunge und freut sich. Endlich.
Jedoch hat sie da so eine Sorge. Kunstoff ist nicht sehr robust. „Mal sehen, was die Zeit sagt.“

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> „Was war besonders schön an diesem Tag?“

Dass endlich ein Zahnarzt etwas tun konnte
Schönes Herbstwetter


> „Wie fühlst du dich?“

Gut
Schmerzfrei

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Mittwoch, 15. November 2017

Kaffeezeit


Tamsin wurde von einer Kollegin gefragt, ob sie mit ihr Kaffee trinken möchte. Tamsin ist erstaunt. Es gibt so viele andere Menschen, mit denen man mehr Spaß hat, als mit Tamsin. Die Vorstellung, freiwillig einen späteren Bus zu nehmen erscheint ihr seltsam. Tamsin hat immer den Drang früh zuhause zu sein. Warum? Wer weiß. „Damals als ich 13 war, wollte ich immer früh zuhause sein, um die Animeserie Ranma zu schauen. Einmal habe ich sogar die Schulfreunde, die zum Spielen kommen wollte, an der Tür klingeln lassen, weils mir wichtiger war, bis ich mir eingebildet habe aus dem Fenstern meine Eltern heimkommen zu sehen und ihnen geöffnet habe, weil ich Angst hatte, dass sie schimpfen, wenn die andere ihnen sagen, dass sie schon 20 Min. klingeln. Aber es war nur eine Einbildung, verursacht durch schlechtes Gewissen.“ Dazu kam die Zeit 2007, in der Tamsin nicht einmal mehr Zeit zum Duschen hatte.

Nun, die nachmittägliche Kaffeezeit war doch recht nett. Das erste Mal, dass Tamsin mit einer Person die nicht zu ihrer Familie gehört Kaffeetrinken geht.